Schlaf
Sicher und gut schlafen
Was den Schlaf sicher macht, was beim Aufwachen normal ist und wie die Studienlage zu Familienbett und Schlaftraining aussieht.
Schlaf ist das Thema, bei dem Eltern die widersprüchlichsten Ratschläge bekommen. Dieser Leitfaden trennt deshalb zwei Dinge, die im Alltag oft vermischt werden: die Frage nach der Sicherheit und die Frage nach dem Erschöpftsein.
Zuerst die Sicherheit
Am Anfang steht der sichere Schlaf, weil hier die Belege am klarsten sind und weil es um den plötzlichen Kindstod geht. Die Antwort nennt die Maßnahmen, für die der Schutz am besten untersucht ist, und sagt zugleich, was sie nicht leisten: Sie senken ein Risiko, sie schließen es nicht aus.
Dann das, was ohnehin passiert
Danach kommt die Frage, wann ein Baby durchschläft. Die Antwort zeigt vor allem, wie riesig die Spanne ist und wie unterschiedlich die Studien Durchschlafen überhaupt definieren. Direkt daneben steht die Sorge, ein Baby ließe sich durch Tragen und prompte Reaktion verwöhnen.
Weiter im zweiten und dritten Jahr
Mit dem ersten Geburtstag hört das Thema nicht auf, es verschiebt sich nur. Drei Antworten decken das Kleinkindalter ab: ob nächtliches Aufwachen mit zwei Jahren noch normal ist, bis wann ein Kind einen Mittagsschlaf braucht und wann der Wechsel vom Gitterbett in ein eigenes Bett ansteht. Alle drei zeigen dasselbe Muster: Die Spanne zwischen den Kindern ist groß, und die belastbaren Zahlen enden oft früher, als die Frage reicht. Beim Mittagsschlaf stammen die deutschen Empfehlungen aus einem Papier über Kindergartenkinder von drei bis sechs Jahren, beim Bettwechsel widersprechen sich die deutsche und die amerikanische Fachgesellschaft: Die eine rät zum Umrüsten des Gitterbetts, die andere zum Wechsel. Die Antworten sagen das jeweils dazu, statt eine Zahl zu nennen, die es nicht gibt.
Zum Schluss die beiden Streitfragen
Familienbett und Schlaftraining stehen am Ende, weil die Antworten dort am wenigsten eindeutig ausfallen. Beim Familienbett ist ein Teil der Frage klar beantwortet und ein Teil bleibt offen, weil zwei große Auswertungen sich widersprechen; die Antwort sagt das so und entscheidet nicht für dich. Beim Schlaftraining fanden die Studien keinen Schaden, was nicht dasselbe ist, wie einen Schaden ausgeschlossen zu haben.
Die Antworten stützen sich auf die AWMF-Leitlinie zum plötzlichen Säuglingstod, auf das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und auf Arbeiten der Amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde. Für das Kleinkindalter kommen die Arbeitsgruppe Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, die Amerikanische Akademie für Schlafmedizin und mehrere Kohortenstudien hinzu.
Bei Lebensgefahr gilt immer der Notruf 112, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Die Antworten in dieser Reihenfolge
- Was tun?Starke Evidenz
Wie schläft mein Baby sicher, und was schützt vor dem plötzlichen Kindstod?
Auf dem Rücken schlafen, im eigenen Bett im Elternschlafzimmer, in rauchfreier Umgebung, gestillt und auf einer festen ebenen Unterlage: Für diese fünf Maßnahmen ist der Schutz am besten belegt. Sie senken das Risiko, sie schließen es nicht aus, und im einzelnen Fall lässt sich nie sagen, ob eine dieser Maßnahmen einen Todesfall verhindert hat.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Wann schläft mein Baby durch, und wie viel nächtliches Aufwachen ist normal?
Die Spanne ist riesig: In einer Längsschnittkohorte schliefen je nach Alter und Definition zwischen 27,9 und 57,0 Prozent der Kinder mit 6 und mit 12 Monaten nicht durch, und das alles liegt im Normalbereich. Die meisten Zahlen stammen aus Elternangaben, und die Studien benutzen unterschiedliche Definitionen von Durchschlafen.
- Mythos-CheckModerate Evidenz
Verwöhne ich mein Baby, wenn ich es viel trage und sofort auf Weinen reagiere?
Nein, im ersten Lebensjahr lässt sich ein Baby durch Tragen und prompte Reaktion auf Weinen nicht verwöhnen, und Tragen schadet nicht. Ob prompte Reaktion langfristig zu weniger Weinen führt, ist nicht gesichert.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Ist es normal, dass mein zweijähriges Kind nachts noch aufwacht?
Ja: Bei Ein- bis Zweijährigen reicht der Referenzbereich des nächtlichen Aufwachens in einer systematischen Übersicht von 0 bis 2,5 Mal pro Nacht, und fast ein Viertel aller Kleinkinder tut sich mit dem Wiedereinschlafen schwer. Regelmäßiges Schnarchen und im Schlaf beobachtete Atempausen gehören dagegen kinderärztlich abgeklärt.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Bis wann braucht mein Kind einen Mittagsschlaf?
Es gibt kein festes Alter: Mit zwei Jahren machen 87 von 100 Kindern einen Tagschlaf, mit drei Jahren 50 von 100, und im Vorschulalter halten in Mittel- und Westeuropa weniger als 10 von 100 Kindern Mittagsschlaf. Wann er wegfällt, ist bei jedem Kind anders; ob ein Mittagsschlaf Kindern über zwei Jahren darüber hinaus nützt, ist nicht einheitlich untersucht.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Wann kann mein Kind vom Gitterbett in ein eigenes Bett wechseln?
Es gibt kein festes Alter: Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde rät zum Wechsel, sobald dein Kind aus dem Gitterbett klettert, es 89 Zentimeter groß ist oder das Gitter niedriger steht als drei Viertel seiner Körpergröße, während das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit stattdessen rät, das Gitterbett umzurüsten und weiterzuverwenden. Die 89 Zentimeter stammen aus einer Elterncheckliste der amerikanischen Fachgesellschaft und aus keiner Studie; einen Wechselzeitpunkt nennt die deutsche Stelle nicht, sie rät zum rechtzeitigen Absenken der Matratze.
- Mythos-CheckModerate Evidenz
Ist das Familienbett gefährlich für mein Baby?
Das Schlafen im Elternbett erhöht das Risiko für den plötzlichen Säuglingstod messbar, am stärksten in den ersten drei bis vier Monaten und wenn geraucht oder Alkohol getrunken wurde oder auf einem Sofa geschlafen wird. Ob ein Restrisiko bleibt, wenn keiner dieser Umstände vorliegt, beantworten zwei große Auswertungen derselben Art von Daten gegensätzlich.
- Mythos-CheckModerate Evidenz
Schadet Schlaftraining meinem Baby?
In den vorliegenden Studien schadeten graduelle Schlaftrainings ab etwa sechs Monaten weder der Bindung noch der Stressregulation noch dem späteren Verhalten. Die randomisierte Studie zur Bindung ist klein, misst Bindung grob, und unter sechs Monaten ist kein Nutzen belegt.