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Stand: 09.09.2026 · Version 4
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Schlaf
Bis wann braucht mein Kind einen Mittagsschlaf?
Es gibt kein festes Alter: Mit zwei Jahren machen 87 von 100 Kindern einen Tagschlaf, mit drei Jahren 50 von 100, und im Vorschulalter halten in Mittel- und Westeuropa weniger als 10 von 100 Kindern Mittagsschlaf. Wann er wegfällt, ist bei jedem Kind anders; ob ein Mittagsschlaf Kindern über zwei Jahren darüber hinaus nützt, ist nicht einheitlich untersucht.
Redaktionell geprüft, noch ohne Fachreview.
Normalbereich
Der Mittagsschlaf verschwindet nicht an einem bestimmten Geburtstag. Er wird über mehrere Jahre hinweg seltener, und die Spanne zwischen den Kindern ist groß.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) schreibt: „Mit 18 Monaten schlafen fast alle nur noch einmal am Tag und manche können mit 24 Monaten sogar schon ganz auf einen Mittagsschlaf verzichten.“ In der Tabelle, die das Institut aus einer Schweizer Längsschnittstudie von 2003 übernimmt, machen mit zwei Jahren 87 von 100 Kindern einen Tagschlaf, mit drei Jahren noch 50 von 100.
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Die Arbeitsgruppe Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin fasst die epidemiologischen Daten so zusammen: Bis zum Alter von drei Jahren macht in Mittel- und Westeuropa über die Hälfte der Kinder einen Tagesschlaf, mit Eintritt in das Vorschulalter von fünf bis sechs Jahren halten dort weniger als 10 von 100 Kindern Mittagsschlaf.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Beide Zahlenreihen gehen auf dieselbe Erhebung zurück. Die Tabelle des Bundesinstituts und die Angabe der Arbeitsgruppe stützen sich auf die Zürcher Längsschnittstudie von Iglowstein, Jenni und Kollegen aus dem Jahr 2003. Es sind also nicht zwei Institutionen, die sich gegenseitig bestätigen, sondern zweimal dieselbe Kohorte.
Die Schlafdauer am Tag ist nach derselben Quelle im Alter von drei bis sechs Jahren von Kind zu Kind sehr unterschiedlich.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
In Ländern mit überwiegend asiatischer Bevölkerung und in den Vereinigten Staaten schlafen nach derselben Quelle über 50 von 100 der Fünfjährigen in der Mittagszeit.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Die Mehrheit der Kinder im Kindergartenalter macht nach derselben Quelle einen Mittagsschlaf, wenn ihnen dazu Gelegenheit geboten wird. Ob diese Gelegenheit besteht oder fehlt, erklärt einen Teil der Unterschiede zwischen den Ländern.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Diese drei Angaben stammen aus einem Papier über Kindergartenkinder von drei bis sechs Jahren. Für ein Kind zwischen einem und drei Jahren sind sie ein Ausblick, keine Aussage über sein Alter.
Für die Frage, ob dein Kind genug schläft, zählt nicht der Mittagsschlaf allein, sondern die Summe aus Tag- und Nachtschlaf.
Die Amerikanische Akademie für Schlafmedizin empfiehlt für Kinder von einem bis zwei Jahren 11 bis 14 Stunden Schlaf pro 24 Stunden einschließlich des Tagesschlafs und für Kinder von drei bis fünf Jahren 10 bis 13 Stunden. Die Empfehlung beruht auf einer systematischen Durchsicht von 864 Arbeiten und dem anschließenden Konsens eines Panels von 13 Fachleuten in einem strukturierten Abstimmungsverfahren.
Quellen: Journal of Clinical Sleep Medicine (American Academy of Sleep Medicine) 2016
Eine systematische Übersicht von 34 Beobachtungsstudien errechnete für das Kleinkind- und Vorschulalter eine mittlere Gesamtschlafdauer von 11,9 Stunden mit einem Bereich von 9,9 bis 13,8 Stunden. Die Referenzwerte stammen aus Fragebogen- und Tagebuchdaten mehrerer Länder und sind deshalb als globale Normwerte zu lesen.
Quellen: Sleep Medicine Reviews 2012
Es ist dieselbe Übersicht, die auch in der Antwort zum Durchschlafen im ersten Jahr steht.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit hält für dieses Alter fest: „Aber auch in diesem Alter sind Abweichungen von bis zu zwei Stunden völlig normal.“
Quellen: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Was dahintersteckt
Ob ein Mittagsschlaf Kindern über zwei Jahren nützt oder schadet, ist untersucht worden. Das Ergebnis ist dünner, als viele Ratschläge vermuten lassen.
Eine systematische Übersicht von 26 Arbeiten zum Tagesschlaf von 0 bis 5 Jahren fand als konsistentesten Befund, dass Mittagsschlaf jenseits des zweiten Geburtstags mit späterem Einschlafen am Abend sowie mit kürzerem und schlechterem Nachtschlaf einhergeht. Alle eingeschlossenen Arbeiten waren Beobachtungsstudien, die die Autorengruppe nach dem GRADE-Verfahren als von niedriger Qualität einstufte.
Zu Verhalten, Gesundheit und kognitiver Entwicklung waren die Befunde derselben Übersicht uneinheitlich; die Autorengruppe führt das darauf zurück, dass sich die untersuchten Gruppen im Alter und in ihren Schlafgewohnheiten unterschieden. Diese Fragen wurden also untersucht, und es kam kein einheitliches Ergebnis heraus: weder ein belegter Vorteil noch ein belegter Nachteil des Mittagsschlafs.
Die Autorengruppe nennt selbst die Grenzen ihrer Übersicht: Keine der eingeschlossenen Arbeiten war randomisiert, die meisten erhoben keine Angaben zu den üblichen Schlafgewohnheiten der Kinder oder zum Umfeld des Mittagsschlafs, und viele stützten sich auf Elternangaben statt auf direkte Beobachtung oder Messung.
Die deutsche Fachgesellschaft kommt zu einer anderen Betonung.
Die Arbeitsgruppe Pädiatrie führt zwei Einzelbefunde für einen Nutzen an. Nach ihrer Darstellung wirkt sich ein Mittagsschlaf positiv auf das deklarative Gedächtnis aus, und es profitieren besonders die Kinder, die regelmäßig mittags schlafen. Kinder im dritten Lebensjahr, die keinen Mittagsschlaf halten durften, zeigten deutlich vermehrte negative und weniger positive Emotionen.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Damit stehen zwei Quellen nebeneinander, und wir benennen die Abweichung, statt sie zu glätten. Die Arbeitsgruppe ist die deutsche Referenz; sie stützt sich hier aber auf zwei einzelne Primärstudien, die sie nicht systematisch gesucht und nicht bewertet hat. Die systematische Übersicht wertet 26 Arbeiten aus und findet zu Kognition, Verhalten und Gesundheit kein einheitliches Bild. Gut belegt ist damit nur, dass der Mittagsschlaf den Abend nach hinten schiebt. Der Befund zu den Emotionen im dritten Lebensjahr betrifft immerhin genau die Altersgruppe dieser Antwort, bleibt aber eine einzelne Studie. Deshalb entscheidet das einzelne Kind, nicht die Regel.
Was die Arbeitsgruppe daraus für die Praxis ableitet, steht in sechs nummerierten Empfehlungen. Sie sind für Kinder von drei bis sechs Jahren im Kindergarten geschrieben. Für ein Kind zwischen einem und drei Jahren übertragen wir sie; die Arbeitsgruppe hat diese Altersgruppe nicht untersucht. Das Papier ist außerdem ein Expertenkonsens ohne eigene Evidenzaufbereitung: Es nennt keine Suchstrategie und keine Bewertung der Studienqualität und wurde 2014 in einer Sitzung der Arbeitsgruppe angenommen.
Zeichen dafür, dass ein Kind keinen Mittagsschlaf mehr braucht, können nach der Arbeitsgruppe Pädiatrie sein: fehlendes oder stark verspätetes Einschlafen, obwohl es die Gelegenheit dazu hätte, sowie keine Müdigkeit und keine Verhaltensauffälligkeiten an Tagen ohne Mittagsschlaf.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Zeichen dafür, dass ein Kind noch einen Mittagsschlaf braucht, können nach derselben Quelle sein: Es wacht gut gelaunt auf, wird aber im Laufe des Tages weinerlich und launisch; es hat am Anfang des Tages mehr Geduld, die sich später verschlechtert; es weint am Nachmittag oder Abend leichter als früher am Tag; es hat am Nachmittag oder frühen Abend eine Krise, die sich danach wieder bessert; es gähnt, reibt sich die Augen oder regt sich beim Zubettgehen auf; es schläft häufig im Auto oder beim Fernsehschauen ein.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Die Arbeitsgruppe empfiehlt, bei jedem Kind individuell zu bestimmen, ob und wie lange ein Mittagsschlaf nötig ist.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Die Möglichkeit eines Mittagsschlafs oder einer Ruhezeit kann sich nach derselben Empfehlung positiv auswirken, besonders bei jüngeren Kindern und bei solchen, die weniger als zehn Stunden Nachtschlaf bekommen.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Kindern, die schlafen möchten oder bei denen Eltern oder Erzieher Zeichen von Müdigkeit sehen, soll nach der Arbeitsgruppe Pädiatrie die Möglichkeit gegeben werden, einen Mittagsschlaf zu halten; als solche Zeichen nennt sie, dass ein Kind beim Essen oder Spielen einschläft, ständig gähnt oder überdreht ist. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit schreibt dasselbe: „Erzwingen Sie den Mittagsschlaf nicht, aber streichen Sie ihn auch nicht, wenn Ihr Kind eindeutige Zeichen von Müdigkeit zeigt.“
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de 2025
Schlaf kann nach derselben Empfehlung nicht erzwungen werden: Kinder, die sich weigern zu schlafen, müssen nicht schlafen. Ihnen kann für eine bestimmte Zeit eine Ruhephase angeboten werden, die räumlich von den schlafenden Kindern getrennt sein sollte.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Bei Einschlafproblemen am Abend kann nach derselben Empfehlung die Mittagsschlafdauer verkürzt werden.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Arbeitsgruppe Pädiatrie 2014
Damit ist der praktische Weg vorgezeichnet: Wenn dein Kind abends nicht mehr in den Schlaf findet, ist der Mittagsschlaf der erste Hebel. Er muss nicht sofort ganz wegfallen, er kann auch nur kürzer werden. Zeigt dein Kind dagegen deutliche Zeichen von Müdigkeit, gehört der Mittagsschlaf nicht gestrichen.
Quellen
- Von Schlafbedarf und Schlafdauer · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-08
- Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine · Journal of Clinical Sleep Medicine (American Academy of Sleep Medicine), 2016 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · DOI 10.5664/jcsm.5866 · abgerufen 2026-09-08
- Normal sleep patterns in infants and children: a systematic review of observational studies · Sleep Medicine Reviews, 2012 · Systematischer Review · Stufe 2: systematischer Review · DOI 10.1016/j.smrv.2011.06.001 · abgerufen 2026-09-05
- Probleme des kindlichen Schlafs · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-08
- Hinweise für Notfallsituationen · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) / kindergesundheit-info.de, 2025 · Amtliche Empfehlung · Stufe 1: amtlich / Leitlinie · abgerufen 2026-09-08
Versionshistorie
- v4 · 9. September 2026 · Redaktionell gelesen und freigegeben. (Redaktion)
- v3 · 8. September 2026 · Freigabe-Anhang A Punkt 5-03: pubmed_suche eingetragen (Cluster Schlaf, dünne Datenlage zum Nutzen des Mittagsschlafs jenseits des zweiten Geburtstags) (Redaktion)
- v2 · 8. September 2026 · Überarbeitung nach Evidenz-Review: Altersübertragung aus dem DGSM-Konsenspapier benannt und Grade gesenkt, DGSM-Empfehlung 2.3 und Nutzenbefunde ergänzt, Kurzantwort umgestellt, Notfallhinweis mit 112 und 116117 aufgenommen (Redaktion)
- v1 · 7. September 2026 · Erstfassung (Redaktion)
Nächste planmäßige Prüfung: 9. September 2027. Du hältst eine Aussage für falsch? Der Link „Einspruch oder Ergänzung“ steht an jeder Aussage, und jede Entscheidung darüber ist unter Einsprüche öffentlich.
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