Impfen
Impfen in den ersten drei Jahren
Was auf dein Kind zukommt, was am Impftag zu entscheiden ist, was an den häufigsten Sorgen dran ist und wie es nach dem ersten Geburtstag weitergeht.
Im ersten Lebensjahr stehen nach dem Impfkalender der Ständigen Impfkommission mehrere Termine an. Für viele Eltern ist das die erste medizinische Entscheidung, die sie für ihr Kind treffen, und die Fragen dazu ähneln sich: Ist das nicht zu früh? Zu viel auf einmal? Was mache ich, wenn mein Baby danach Fieber bekommt?
Dieser Leitfaden geht die Fragen in der Reihenfolge durch, in der sie im Alltag auftauchen.
Zuerst die Zweifel vor dem Termin
Am Anfang stehen die beiden Sorgen, die schon vor dem ersten Piks da sind: ob das Immunsystem eines wenige Wochen alten Babys der Sechsfachimpfung gewachsen ist, und ob Verschieben oder Aufteilen schonender wäre. Beide Antworten prüfen die Behauptung und sagen auch, welcher Teil der Sorge berechtigt ist.
Dann die Entscheidungen am Impftag
Danach kommen die zwei Fragen, die sich unmittelbar vor dem Termin stellen: ob ein Schnupfen ein Grund zum Absagen ist, und ob Paracetamol vorbeugend sinnvoll ist. Die zweite Antwort fällt bewusst nicht pauschal aus, sondern hängt von der jeweiligen Impfung ab.
Dann die Masern-Mumps-Röteln-Impfung am Ende des ersten Jahres, nach der Eltern am häufigsten etwas bemerken, und die Frage, woran du eine gewöhnliche Impfreaktion von etwas unterscheidest, das in die Praxis gehört.
Zuletzt das zweite und dritte Lebensjahr
Nach dem ersten Geburtstag wird der Impfkalender ruhig. Es geht vor allem darum, angefangene Serien abzuschließen: die dritte Meningokokken-B-Dosis und die zweiten Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen. Die erste der drei Antworten geht die Termine bis zum dritten Geburtstag der Reihe nach durch und nennt auch, was aus älteren Impfplänen inzwischen weggefallen ist.
Die zweite Antwort ist für alle, bei denen etwas liegen geblieben ist. Verpasste Impfungen sind der Normalfall und kein Schaden: In der Regel wird keine Serie von vorn begonnen, aber ein paar Impfungen lassen sich nur bis zu einem bestimmten Alter nachholen.
Die dritte Antwort fällt als einzige nicht für alle Kinder gleich aus. Ob die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis infrage kommt, hängt daran, wo ihr wohnt und wohin ihr fahrt; die Antwort nennt beide Seiten der Abwägung.
Alle Antworten stützen sich auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, auf das Robert Koch-Institut und auf Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Wo Eltern eine Sorge umtreibt, für die es keine Belege gibt, steht das ausdrücklich da.
Bei Lebensgefahr gilt immer der Notruf 112, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Die Antworten in dieser Reihenfolge
- Mythos-CheckModerate Evidenz
Überfordert die Sechsfachimpfung mit acht Wochen das Immunsystem meines Babys?
Nein, die Sechsfachimpfung überfordert das Immunsystem deines Babys nicht, denn es setzt sich täglich mit tausenden Keimen aus der Umwelt auseinander und bekommt mit der Impfung eine kontrollierte, kleine Menge Antigene. Impfreaktionen wie Rötung und Schmerz an der Einstichstelle oder Fieber kommen allerdings vor, klingen aber üblicherweise nach einigen Tagen folgenlos ab.
- Mythos-CheckModerate Evidenz
Ist es schonender, Impfungen zu verschieben oder aufzuteilen?
Nein, Verschieben oder Aufteilen ist nicht schonender, denn es verlängert die Zeit, in der der Impfschutz noch nicht vollständig aufgebaut ist, und bedeutet mehr Termine und mehr Einstiche. Eine einmalige Verzögerung, nach der am Ende alle Dosen gegeben werden, war in einer großen Keuchhusten-Kohorte allerdings nicht mit einem höheren Erkrankungsrisiko verbunden.
- Was tun?Moderate Evidenz
Darf mein Baby mit Schnupfen geimpft werden?
Ja, ein Schnupfen ohne Fieber ist kein Grund, die Impfung abzusagen, denn das Robert Koch-Institut zählt banale Infekte mit einer Körpertemperatur unter 38,5 Grad ausdrücklich zu den falschen Kontraindikationen. Verschoben wird erst bei einer schweren akuten Erkrankung, und dann bis nach der Genesung.
- Was tun?Moderate Evidenz
Soll ich meinem Baby vor der Impfung vorbeugend Paracetamol geben?
Das hängt von der Impfung ab: Für die Meningokokken-B-Impfung im Alter von 2, 4 und 12 Monaten empfiehlt die Ständige Impfkommission vorbeugendes Paracetamol ausdrücklich. Für alle anderen Impfungen wird es nicht empfohlen, weil es die Antikörperantwort messbar abschwächt.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Welche Impfreaktionen sind nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung normal, und wann sollte ich zum Arzt?
Fieber und ein flüchtiger Ausschlag ein bis zwei Wochen nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung sind normale Impfreaktionen und gehen von selbst wieder weg. Ärztlich abklären lassen solltest du einen Krampfanfall, Fieber über drei Tage, punktförmige Blutungen in der Haut oder ein Kind, das teilnahmslos wirkt.
- Ist das normal?Moderate Evidenz
Welche Impfungen stehen für mein Kind zwischen dem ersten und dritten Geburtstag an?
Nach dem Impfkalender stehen die dritte Meningokokken-B-Dosis mit 12 Monaten an und mit 15 Monaten die zweite Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen, dazu alles, was mit 11 Monaten offen geblieben ist. Danach kommt bis zur Schule keine Standardimpfung mehr; Indikationsimpfungen wie die gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis hängen davon ab, wo ihr wohnt und ob dein Kind eine Grunderkrankung hat.
- Was tun?Moderate Evidenz
Wir haben Impfungen verpasst. Wie holen wir sie nach?
Vereinbare einen Termin in der Kinderarztpraxis, nimm den Impfausweis mit und lass die fehlenden Dosen nachholen; in der Regel wird deswegen keine Impfserie von vorn begonnen, denn nach dem Grundsatz der Ständigen Impfkommission zählt jede Impfung. Wichtig sind der Mindestabstand zur vorherigen Dosis und das Alter deines Kindes, denn manche Impfungen werden nur bis zu einem bestimmten Alter nachgeholt.
- Was tun?Moderate Evidenz
Soll ich mein Kleinkind gegen FSME impfen lassen?
Das hängt davon ab, wo ihr wohnt und wohin ihr fahrt: Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis für Menschen, die in einem ausgewiesenen Risikogebiet gegenüber Zecken exponiert sind, in Deutschland wie im Ausland, und die Kinderimpfstoffe sind ab einem Jahr zugelassen. Bei Kindern verlaufen die Erkrankungen im Allgemeinen leichter als bei Erwachsenen, schwere Verläufe kommen aber auch bei ihnen vor, und im Einzelfall lässt sich der Verlauf nicht vorhersagen.